Der Fall: Eine Abstimmung entscheidet über Zugehörigkeit
Im Zentrum des Forumtheaters Holly Win steht die 13-jährige Holly. In einer Klassengruppe läuft eine anonyme Umfrage: Wer soll beim nächsten Projekt mitmachen? Holly landet auf dem letzten Platz. Das Stück inszeniert nicht den lauten Konflikt, sondern die leisen Mechanismen: Screenshots, Emojis, geteilte Listen. Für Schulklassen ist das konkret, weil die Bühne exakt die Werkzeuge zeigt, die im Alltag ohnehin benutzt werden – Messenger, Umfragefunktionen, Statusbilder.
Ursache: Die Gewinnlogik der Gruppe
Der Titel Holly Win ist doppeldeutig. Holly will dazugehören, die Klasse will eine Gewinnerin küren, und die Plattform belohnt Tempo. Wer zuerst reagiert, setzt den Ton. Wer schweigt, bestätigt ihn. Das Stück macht sichtbar, dass Ausgrenzung selten mit einer Entscheidung beginnt, sondern mit einer Reihe kleiner Zustimmungen. Genau hier setzt die pädagogische Arbeit an: Nicht einzelne Täter werden gesucht, sondern die Regel, die das Klicken belohnt.
Lösung: Forumtheater mit drei Eingriffen
Nach einer zwanzigminütigen Spielphase öffnet das Ensemble die Szene. Das Publikum kann an drei Stellen eingreifen: beim Teilen des Screenshots, beim Kommentar in der Gruppe und beim Schweigen der Lehrperson. Jeder Eingriff wird sofort gespielt. Die Klasse erlebt, dass eine kurze Unterbrechung den Verlauf ändert – nicht moralisch, sondern praktisch. Diese Methode ist wirksamer als eine Belehrung, weil sie die Handlung im Moment der Entscheidung verändert.
Umsetzung: 20 Minuten Bühne, 30 Minuten Nachgespräch
Für die Jahrgangsstufen 7 und 8 reicht eine Doppelstunde. Die Produktion kommt ohne Technik aus; ein Beamer ist optional. Wichtig ist die Nachbereitung: Die Klasse formuliert drei Sätze, die Holly hätten helfen können, und testet sie in einer zweiten Spielrunde. Ein Beispiel für die schulische Einbettung solcher Präventionsformate zeigt die https://nmsbruesslgasse.at/. Dort lässt sich nachvollziehen, wie Schulen Projekte zu digitaler Zivilcourage organisieren.
Was Lehrkräfte vorab klären sollten
- Wer moderiert das Nachgespräch, wenn die Klasse emotional reagiert?
- Welche Begriffe für Mobbing und Konflikt gelten an der Schule?
- Wie wird ein Screenshot gesichert, ohne ihn weiterzuverbreiten?
Grenzen: Was das Stück nicht leistet
Holly Win ersetzt keine Schulsozialarbeit und keine juristische Aufarbeitung. Es braucht klare Zuständigkeiten, bevor die erste Szene gespielt wird. Das Ensemble liefert eine gemeinsame Sprache: „Das war eine Abstimmung, kein Spaß.“ Diese Sprache hilft im Nachgespräch, macht aber nur dann Sinn, wenn die Schule bei ernsthaften Fällen nach ihren Schutzkonzepten handelt. Genau diese Grenze sollte vor der Buchung transparent sein.
Am Ende bleibt eine konkrete Frage an jede Klasse: Wer entscheidet bei euch, wer gewinnt – und wer schweigt dabei?